Erste Schritte zur Gründung der Pfarrei  
 

Als St. Ingbert im Jahre 1829 Stadtrechte erhielt, hatte der Ort 3.000 Einwohner. Im Jahre 1893, bei Fertigstellung der großen Josefskirche, lebten bereits 12.000 Menschen in der Stadt. Davon waren etwa 80 % Katholiken. Es dauerte nicht lange, da erwies sich die neue Kirche bereits als zu klein, obwohl der Pfarrei St. Josef mit der zentral gelegenen St. Engelbertskirche noch ein zweites Gotteshaus zur Verfügung stand. Aber das Stadtgebiet dehnte sich, insbesondere nördlich der Kaiserstraße, ständig weiter aus. Dies war auch der Hauptgrund, weshalb Prälat Josef Goebel, Pfarrer von St. Josef, bereits im Jahre 1915 Überlegungen zur Gründung einer Tochterpfarrei anstellte.

 
 

Zu dieser Zeit dürfte auch die Idee gereift sein, die große deutsche Volksheilige und Mystikerin Hildegard von Bingen zu ihrer Schutzpatronin vorzusehen. Zwei Jahre später, am 7. Januar 1917, wurde durch Beschluss der Kirchenverwaltung St. Josef eine selbstständige Stiftung errichtet, unter dem Namen "Römisch katholische Kirchenstiftung St. Hildegard", mit Sitz in St. Ingbert. Da die Stadt damals zur bayrischen Pfalz gehörte, musste nach den Bestimmungen des Konkordates der regierende Monarch von Bayern, König Ludwig III., seine Zustimmung geben. St. Ingbert zählte zu dieser Zeit bereits 17.000 Einwohner.

 
 

Vorausschauend erwarb Prälat Goebel für den Bau einer Kirche ein 8.770 qm großes Grundstück auf dem "Etzelchen", einem von der Kohlenstraße her ansteigenden kleinen Hügel.

 
   

Erst im Jahre 1927, neun Jahre nach Kriegsende, als sich das Leben wieder einigermaßen normalisiert hatte, konnte die Gründung in die Tat umgesetzt werden. Am 28. Mai 1927 wurde die Pfarrei St. Hildegard durch den damaligen Bischof von Speyer, Dr. Ludwig Sebastian, kirchenrechtlich errichtet. Etwa 6.000 Menschen gehörten zu ihr. Zum ersten Pfarrer wurde am 31. Juli 1927 Peter Eckhard ernannt. Der neue Pfarrer trat sein Amt mit großer Begeisterung an. Auf ihn wartete eine Fülle von Aufgaben. Vor allem brauchte die Gemeinde eine eigene, angemessen große Pfarrkirche. Zügig ging man an die Planung. Aus drei Entwürfen wurde der Plan von  Landesbaurat Prof. Albert Boßlet auserwählt, weil er durch Originalität und künstlerische Reife überzeugte.  Es war ein Glücksfall, dass bereits während der Planungsphase zwischen Pfarrer Eckhard und Prof. Boßlet eine persönliche Freundschaft entstand. Deshalb konnten der geniale Architekt und der für moderne Architektur aufgeschlossene Seelsorger unterschiedliche Auffassungen immer offen ausdiskutieren.

 
 

So entstand nach vielen Beratungen ein Plan ohne faule Kompromisse. Unter Experten gilt die Kirche von St. Hildegard in St. Ingbert als der am besten gelungene Kirchenbau von Prof. Boßlet.

 
   

Am 28. September 1928 erfolgte auf dem von Felsgestein durchwachsenen Baugrundstück der erste Spatenstich. Zwei Monate später, am 28. November 1928, wurde der Grundstein gelegt. Bis heute ist es schier unglaublich, dass nach einer Bauzeit von nur einem Jahr am 22. September 1929 die neue, große Kirche eingeweiht werden konnte. Ihr Anblick war am Anfang etwas gewöhnungsbedürftig, doch schon nach kurzer Zeit fühlten sich die Pfarrangehörigen in ihrem neuen Gotteshaus wohl und geborgen.

 
 

Dem Architekten der St. Hildegardskirche war es gelungen, den Schritt von der Tradition zur Modernen zu schaffen. An Ostern 1930 riefen vier neue Glocken die Gläubigen zum Ostergottesdienst. Am 17. September 1933 konnte die große Späth-Orgel mit 50 Registern und drei Manualen eingeweiht werden. Im ebenfalls neu erbauten Jugendheim unterhalb der Kirche befanden sich Kindergarten, Pfarrsaal, Räume für Jugendarbeit, Pfarrbücherei, eine Hauskapelle und im obersten Stockwerk die Klausurwohnung für die Schwestern vom Orden der Speyerer Dominikanerinnen. Sie kamen bereits 1928 in die Pfarrei. Von Anfang an waren die Schwestern ein belebendes Element in der Gemeinde. Sie wirkten im Kindergarten, als Lehrerinnen in der Ludwigschule, in der Bücherei, der Seelsorge, im Kirchendienst und als Haushaltsschwestern.

   
 

 es sollten schwere Zeiten anbrechen! Im Jahre 1935 sollten die saarländischen Bürger wählen dürfen zwischen Beibehaltung des gegenwärtigen Zustandes (status quo), Anschluss an Frankreich oder Rückgliederung nach Deutschland. Die Zeit, in der das Saargebiet eine unbehelligte Insel der Seligen war, schien zu Ende. Seine Menschen wollten zurück in ihr angestammtes Vaterland. Dort hatte am 30. Januar 1933 Hitler die Macht ergriffen. Am 13. Januar 1935 stimmte die Saar mit 90,8 % für "Heim ins Reich". In einem Meer von Hakenkreuzfahnen, mit riesigen Fackelzügen, Musik und unter Glockengeläut wurde die Rückkehr gefeiert, zugleich aber auch die Freiheit begraben. Am 1. März 1935 wurde der Anschluss vollzogen. Wer "falsch" gewählt hatte, galt bei den neuen Herren als Verräter. Am 03.09.1939 begann der Zweite Weltkrieg. Die Machthaber hatten das Läuten der Kirchenglocken stark eingeschränkt. Im Februar 1942 wurden die Glocken beschlagnahmt, weil die Rüstungsindustrie dringend Metall benötigte. Jede Kirche durfte nur ihre kleinste Glocke behalten. In St. Ingbert endete der Zweite Weltkrieg am 20. März 1945. Nach zwölf Jahren war das "Tausendjährige Reich" schmählich untergegangen. Aus der Pfarrei St. Hildegard fielen 288 Soldaten oder starben in Gefangenschaft. Unter der Kontrolle der Franzosen musste das Leben neu organisiert werden. Das ging in den Pfarrgemeinden einfacher als sonstwo, weil an noch vorhandene Strukturen angeknüpft werden konnte. Die Hauptsorge der Menschen galt dem einfachen Überleben. Es mangelte besonders an Lebensmitteln. Produktionsstätten wurden bald wieder hergerichtet. Die Kohlenförderung der Grube St. Ingbert kam wieder in Gang. Auch die Schmelz nahm den Betrieb wieder auf. 1948 wurde das Saarland an Frankreich angeschlossen. Der französische Franken wurde gesetzliches Zahlungsmittel. Dekan Eckhard vertrat beim französischen Gouverneur Grandval die Interessen des Bischofs von Speyer. Die Region erholte sich ziemlich rasch von den Kriegsfolgen. Die Wirtschaft begann zu florieren. Auf dem Gebiet des Wohnungsbaues bestand ein großer Nachholbedarf. Eng verbunden mit der Pfarrei ist die Geschichte des 1949 gegründeten Kettlervereins. Treibende Kraft und Initiatoren waren Pastor Eckhard und eine Gruppe von Männern aus allen Pfarreien. Das geschickt ausgeklügelte Selbsthilfesystem ermöglichte im neuen Wohngebiet "Mühlwald" den Bau von 329 Wohnhäusern. Der Beschluss zum Bau der Tochterkirche St. Pirmin wurde 1951 gefasst.

 
   

Am 4. Januar 1953 beschloss der Stadtrat unter Bürgermeister Georg Bleif den Kirchengemeinden die im Krieg beschlagnahmten Glocken kostenlos zu ersetzen. Gleichzeitig sollten die Geläute für St. Josef, St. Hildegard und die protestantische Kirche auf jeweils fünf Glocken erweitert werden. An die Stiftung war die Bedingung geknüpft, dass sämtliche Glocken an jedem Samstag und an den Vorabenden aller Feiertage um 18 Uhr läuten sollten. Am 3. Oktober 1953 wurden die in Saarlouis gegossenen Glocken feierlich durch die Stadt geleitet und auf dem Marktplatz von Bürgermeister Georg Bleif den Kirchengemeinden übergeben.

 
 

Tags darauf weihte Bischof Isidor Markus Emanuel die für die katholischen Kirchen bestimmten Glocken und verlieh ihnen ihre Namen. Drei von fünf ehernen Rufern von St. Hildegard erhielten die gleichen Namen wie die im Krieg geraubten Vorgänger. Die ganze Stadt hielt den Atem an, als wenige Wochen später zum ersten Mal alle 30 Glocken von St. Ingbert gemeinsam läuteten.

 
 

1954 folgte der Neubau der Kirche "Herz Mariae" auf der Siedlung. Kaplan Vinzenz Mohrbacher übernahm die Leitung. Am 23. Oktober 1955 entschied sich zwei Drittel der saarländischen Bevölkerung in einem heißen Wahlkampf für die Rückkehr zu Deutschland. Die Rücksiedlung wurde am 6. Juli 1959 endgültig vollzogen. Nach der Bildung von zwei Tochterpfarreien war die Mutterpfarrei kleiner geworden. Dies wirkte sich auch auf die Zahl der Gottesdienstbesucher aus. Doch die Gläubigen nahmen regen Anteil am  Leben der Pfarrei. Noch erlaubten ihnen die hierarchischen Strukturen nur begrenzte Mitsprache. Pastor Eckhard war klug genug, in vielen Dingen den Rat erfahrener Laien einzuholen und zu befolgen. Besonders in Alois Georg, dem langjährigen Vorsitzenden des damaligen Kirchenrates, hatte er einen nimmermüden Berater und Helfer, vor allem wenn es um die Unterhaltung der Baulichkeiten ging. Eine dringend notwendige Erweiterung des Kindergartens wurde 1960 in Angriff genommen. Das Goldene Priesterjubiläum von Pfarrer Eckhard, im Juli 1961, wurde sehr festlich begangen und zeigte, welche Verehrung und Wertschätzung er genoss. Die Ernennung zum päpstlichen Hausprälaten, am 5. September 1961, durch Papst Johannes XXIII., war eine hohe Anerkennung für sein seelsorgliches Wirken. Allmählich forderte das Alter seinen Tribut. In seinen letzten Dienstjahren stand ihm mit Kaplan Kunibert Wilhelm als ein besonders zuverlässiger Helfer zur Seite. Am Jahresende 1963 trat Prälat Eckhard in den Ruhestand. Sechsunddreißig Jahre hatte er als Pfarrer der Gemeinde von St. Hildegard gedient. Er verstarb am 29.12.1971.

 
   

Zum 1. Januar 1964 wurde der 34-jährige Alfons Bungert zum neuen Pfarrer von St. Hildegard ernannt. Er fand ein wohlbestelltes Haus vor. Dennoch war es kein gewöhnlicher Beginn. Die umfassenden Neuerungen des Konzils, neue liturgische Formen, Schaffung des Pfarrgemeinderates, Mitverantwortung für die Laien, das alles galt es in Angriff zu nehmen und umzusetzen. Anfänglich musste er im Pfarrgemeinderat so manche Woge glätten, wenn Übereifrige unter Berufung auf das Konzil über das Ziel hinausschossen. Pfarrer Bungert war ein hervorragender Prediger, der sich kurz und prägnant auszudrücken verstand. Auch schriftstellerisch war er erfolgreich tätig. Durch sein geselliges und gewinnendes Wesen fand er leichten Zugang zu den Menschen. Ende 1972 erkrankte Pfarrer Bungert. Vorübergehend stand der Religionslehrer und jetzige Pfarrer von Ensheim, Fridolin Flieger, als Seelsorger zur Verfügung. Am 1. November verzichtete Pfarrer Bungert aus Gesundheitsgründen auf die Pfarrei.

 
 

Bereits mit dem 1. Mai 1973 war Kaplan Karl-Josef Lindemann, der zuvor in Ludwigshafen tätig war, zum Pfarrverwalter bestellt worden. Nach seiner Ernennung zum Pfarrer von St. Hildegard, mit Wirkung vom 1. Dezember 1973, wurde er am 15. Dezember feierlich in sein Amt eingeführt. Am 16. Oktober 1940 in Homburg geboren, studierte Pfarrer Lindemann nach seinem Abitur Theologie und Philosophie in Eichstett und München. Am 28. März 1968 wurde er im Speyerer Dom zum Priester geweiht. Zusätzlich zu seinem Dienst als Pfarrer wurde Karl-Josef Lindemann, erstmalig im Jahr 1992 und 1998 für eine zweite Amtsperiode zum Dekan des Saarpfalzkreises gewählt und bestätigt. Somit ist er der verlängerte Arm des Bischofs im westlichen Teil der Diözese Speyer. Das silberne Priesterjubiläum von Pfarrer Lindemann wurde 1993 mit einem Festgottesdienst und einer glanzvollen Aufführung der "Krönungsmesse" von W. A. Mozart begangen.

 

 
 

Von Anfang an stand für ihn fest, dass für viele Aufgaben in der Pfarrei zuverlässige Laien zur Mitarbeit gewonnen werden müssen. Außer Pfarrgemeinderat und Verwaltungsrat kümmern sich noch mehrere Arbeitskreise, die auf der Seite "Gruppen" noch näher beschrieben werden, um die Arbeit in der Pfarrei. Aus dem Liturgiekreis kommen Anregungen für die Gestaltung von Gottesdiensten, ein Festausschuss bereitet das jährliche Pfarrfest und andere gesellige Veranstaltungen vor, Lektoren und Kommunionhelfer stehen regelmäßig zur Verfügung. Ein Koordinationsteam bringt alle Aktivitäten unter einen Hut, gestaltet den Pfarrbrief "Regenbogen" und sucht für jedes Jahr einen Leitgedanken. Sie alle werden vom Pfarrer angespornt, aber nicht gegängelt.

 
 

Die seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil veränderte Liturgie, aber auch dringend erforderliche Renovierungen machten umfangreiche bauliche Veränderungen an der Pfarrkirche notwendig. Zur Mithilfe bei der Finanzierung wurde ein "Kirchenbausammelverein" gegründet. Nachdem die Diözese den Hauptzuschuss zugesagt hatte und weitere Zuschüsse gesichert waren, konnten 1984/85 die Arbeiten begonnen werden. Vorübergehend zog die Gemeinde in die "Alte Kirche" um. 1996 wurde die Marienkappe in eine Werktagskirche umgestaltet. Nach Vollendung der Arbeiten fasziniert die Architektur der Kirche mehr denn je.

 
 

Manche Entwicklungen, nicht nur in unserer Pfarrei, sehen wir mit Besorgnis, zum Beispiel die Überlastung unseres Pfarrers infolge des Priestermangels. Vieles aber darf uns auch hoffnungsvoll stimmen, Unser Familiengottesdienst findet dank der kreativen Mitarbeit eines jungen Teams großen Zuspruch. Bei der Vorbereitung zu Erstkommunion und Firmung engagieren sich selbstbewusste Mütter und Väter. Für die allermeisten Eltern ist die Familie kein Auslaufmodell mehr, sondern das Wichtigste. Die feierlichen Gottesdienste an den Hochfesten werden gut besucht, zumal wenn sie von unserem hervorragenden Kirchenchor unter Leitung von Christian von Blohn mitgestaltet werden. Die Pfarrei unterhält seit vielen Jahren freundschaftliche Beziehungen zur protestantischen Nachbargemeinde der Martin-Luther-Kirche.

 
 

Zu den Pluspunkten von St. Hildegard gehört zweifellos eine fast traditionelle Spendenfreudigkeit. Für die großen kirchlichen Hilfswerke Adveniat, Misereor, Renovabis, für Caritas, Sternsingeraktionen, Partnerschaften und bei sonstigen Kollekten wird immer sehr viel gespendet.

 
 

In den mittlerweile siebenundsiebzig Jahres ihres Bestehens wirkten ohne Unterbrechung nur drei Pfarrer in der Gemeinde St. Hildegard. Das mag als Beleg gelten für die gute "Lebensqualität" in dieser Pfarrei. Es beweist aber auch, dass die Arbeit ihrer Seelsorger in und an dieser Pfarrei nicht vergeblich war, sondern reiche Frucht brachte. Und so wünscht sich denn die Pfarrei St. Hildegard zwei Jahre nach ihrem 75. Jubiläumsjahr, ihr Pfarrer Karl-Josef Lindemann möge noch lange das Steuer führen.

 
   

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